Niedergelassene Haus- und Fachärzte verbünden sich im Kampf gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung

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Anlass ist die am 1. Januar 2009 in Kraft getretene Gesundheitsreform, die massive Verwerfungen in der Honorierung der ärztlichen Leistungen verursacht. Auch die bayerische CSU hat diese Gesundheitsreform in Berlin mit auf den Weg gebracht.
Besonders die bayerischen Fachärzte sind von erheblichen Honorareinbußen betroffen und in ihrer wirtschaftlichen Existenz real gefährdet .
Damit droht der Zusammenbruch der über Jahrzehnte gewachsenen ambulanten Versorgungsstrukturen mit einer familiennahen Betreuung durch den Haus- und Facharzt vor Ort.

Was beabsichtigt die Politik damit? Selbständige und unabhängige niedergelassene Fachärzte sollen, ähnlich wie in England und Holland, komplett abgeschafft werden.
Warum? Um die dann brachliegende Patientenversorgung großen Klinikketten und börsennotierten Großkonzernen zur „freundlichen Übernahme“ anzubieten. Zum Beispiel der Rhön-Klinikum-AG: Die Familie des neuen Bundeswirtschaftsministers zu Guttenberg (CSU) hat die Klinikkette Rhön-Klinikum mit aufgebaut, an die Börse gebracht und damit sehr viel Geld verdient. Und der Bundes-Gesundheitsexperte Prof. Lauterbach (SPD) sitzt bereits im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum-AG! Zufall?
Durch die Zentralisierung der ambulanten Versorgung in Poliklinik-artigen Einrichtungen (die gab’s schon mal in der DDR) werden die Patienten in einem Flächenland wie Bayern ganz besonders leiden: Weite Anfahrtswege, lange Wartezeiten und anonyme Abfertigung zum Zweck der Profitmaximierung sind die Folge!
Damit verletzt der Staat seine Pflicht, adäquate Rahmenbedingungen für eine qualitativ hochstehende, wohnortnahe familien- und seniorengerechte Gesundheitsversorgung seiner Bürger zu schaffen.

Noch einige Details zum neuen Honorarsystem (übrigens: Honorar bedeutet Umsatz und nicht Gewinn!):
Seit Anfang 2009 wird neben einzelnen sog. „freien Leistungen“ der größte Anteil der Arzthonorare mit einem für jede Fachgruppe unterschiedlichen Festbetrag pro Patient abgegolten. D.h. die Ärztin/der Arzt wird mit einer Art „Flatrate“ für ein Quartal, also für 3 Monate bezahlt. Diese Pauschale gilt für alle Patientenkontakte in dieser Zeitspanne, unabhängig davon, ob es sich um einen einzigen Besuch oder um eine Vielzahl von Kontakten mit verschiedenen Untersuchungen und Therapien handelt.
Die Beträge, die seit dem 1.1.09 besonders im fachärztlichen Bereich zur Verfügung gestellt werden, decken nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten! Einige Zahlen als Beispiel:
Eine Frauenärztin erhält ab 1.1.09 für die Betreuung einer Patientin mit Brustkrebs 16 € für 3 Monate! Alle Untersuchungen, Gespräche und Telefonate inbegriffen!
Ein Urologe bekommt für die Beratung, Untersuchung und Behandlung eines Patienten maximal 28,66 €. Notwendige Untersuchungen per Ultraschall und Blasenspiegelungen oder Blasendruckmessungen im Rahmen einer Inkontinenz vollständig inbegriffen. Einschliesslich eventueller Hausbesuche.
Ein Orthopäde versorgt einen Patienten mit Arthrose für 29,28 € drei Monate lang! Für Röntgenaufnahmen, egal wie viele, erhält er pro Patient eine Pauschale von 5 € für den gesamten Zeitraum!
Noch einige Beispiele für „Flatrates“ der verschiedenen Fachkollegen, jeweils pro Patient und 3 Monate:
Hautarzt: 19,50 € , Internist mit Schwerpunkt Magen-Darm-Erkrankungen: 48 €. Und der Hausarzt bekommt 15,41 € für einen Hausbesuch bei einem schwerkranken Patienten! Für die Zusatzqualifikation „Psychosomatik", also intensiven Gesprächsaufwand gibt’s 3(!) € im Quartal zusätzlich!
Nochmals: All diese Beträge gelten für ein Vierteljahr; unabhängig davon, wie oft der Patient den Arzt aufgesucht hat!
Erinnern Sie sich kurz mal: Was verlangte Ihr Rechtsanwalt für die letzte Beratung? Was kostete nur die Anfahrtspauschale bei der letzten Waschmaschinenreparatur? Und wie teuer war der letzte Auto-Kundendienst?

Kaum zu glauben? Eine detaillierte Beschreibung der Situation der einzelnen Fachgruppen haben u.a. die Kollegen im Netzwerk Mühldorf/ Altötting ins Internet gestellt unter www.rlvprotest.de.

Deshalb wehren wir uns und deshalb werden wir zusammen mit unseren wertvollsten Verbündeten, nämlich unseren Patienten gegen diese Gesundheitsreform kämpfen! Vielleicht auch mit Hilfe der Parteien, die auf unserer Seite sind.
Neben intensiver Öffentlichkeitsarbeit sind befristete Praxisschließungen geplant, um die Situation in einigen Jahren vorweg zu „simulieren“. Weil es viele von uns dann nicht mehr geben wird…